Emeritierter Papst Benedikt XVI würdigt Kardinal Meisner (15.07.2017) - cropped


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Stimmen: Emeritierter Papst Benedikt XVI. würdigt Kardinal Meisner (15.07.2017)

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat sich mit einer ungewöhnlichen Geste vom verstorbenen Kardinal Joachim Meisner verabschiedet. Beim Requiem für Meisner im Kölner Dom verlas sein Privatsekretär, Kurienerzbischof Georg Gänswein, eine eigene Botschaft des früheren Kirchenoberhaupts. Benedikt XVI. habe sie auf Wunsch von Kardinal Rainer Maria Woelki geschrieben, so ein gerührter Gänswein.

In seiner Botschaft bezeichnete Benedikt XVI. Meisner als Beispiel für einen überzeugenden Hirten, wie sie die Kirche brauche, um der Diktatur des Zeitgeistes zu widerstehen. Meisner habe zuletzt zu gelöster Heiterkeit und Zuversicht gefunden, schreibt der emeritierte Papst unter Berufung auf ein Telefonat mit dem Kölner Alterzbischof kurz vor dessen Tod. Meisner habe sich gefreut, dass auch bei jungen Menschen die Bereitschaft zu eucharistischer Anbetung und die Beichtpraxis wieder wüchsen.


 

Grußwort des emeritierten Papstes Benedikt XVI.  in der Beisetzungsfeier von Kardinal Joachim Meisner, am 15.07.2017 | Vatikanstadt | 11. 7. 2017 Benedict XVI on the death of Cardinal Meisner: “With the conviction that the Lord does not leave his Church…” | Settimo Cielo di Sandro Magister
In dieser Stunde, in der die Kirche von Köln und gläubige Menschen weit darüber hinaus Abschied nehmen von Kardinal Joachim Meisner, bin auch ich in meinem Herzen und meinen Gedanken bei Ihnen und folge deshalb gern dem Wunsch von Kardinal Woelki, ein Wort des Gedenkens an Sie zu richten. In this hour, when the Church of Cologne and believers further afield take their leave of Cardinal Joachim Meissner, I am with them in my heart and thoughts and am pleased to accede to Cardinal Woelki’s wish and address a word of reflection to them.
Als ich vergangenen Mittwoch durch ein Telefonat den Tod von Kardinal Meisner erfuhr, wollte ich es zunächst nicht glauben. Am Tag zuvor hatten wir noch über das Telefon miteinander gesprochen. Aus seiner Stimme klang die Dankbarkeit dafür, dass er nun im Urlaub angelangt war, nachdem er am Sonntag zuvor (25. Juni) noch an der Seligsprechung von Bischof Teofilius Matulionis in Vilnius teilgenommen hatte. Die Liebe zu den Kirchen in den Nachbarländern im Osten, die unter der kommunistischen Verfolgung gelitten hatten, wie die Dankbarkeit für das Standhalten in den Leiden jener Zeit hat ihn zeitlebens geprägt. Und so ist es wohl doch kein Zufall, dass der letzte Besuch in seinem Leben einem der Bekenner des Glaubens in jenen Ländern gegolten hat. When I heard last Wednesday by telephone of the death of Cardinal Meissner, I could not believe it at first. We had spoken to each other the previous day. From the way he spoke he was grateful to be on holiday now, after he had taken part the Sunday before (25th June) in the beatification of Bishop Teofilius Maturlionis in Vilnius. His love for the neighbouring Churches in the East, which had suffered persecution under Communism, as well as gratitude for endurance in suffering during that time left a lifelong mark on him. So it was certainly no accident that the last visit of his life was made to a confessor of the faith.
Was mich an den letzten Gesprächen mit dem heimgegangenen Kardinal besonders beeindruckt hat, war die gelöste Heiterkeit, die innere Freude und die Zuversicht, zu der er gefunden hatte. Wir wissen, dass es ihm, dem leidenschaftlichen Hirten und Seelsorger, schwerfiel, sein Amt zu lassen und dies gerade in einer Zeit, in der die Kirche besonders dringend überzeugender Hirten bedarf, die der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen und ganz entschieden aus dem Glauben leben und denken. Aber um so mehr hat es mich bewegt, dass er in dieser letzten Periode seines Lebens loszulassen gelernt hat und immer mehr aus der tiefen Gewissheit lebte, dass der Herr seine Kirche nicht verlässt, auch wenn manchmal das Boot schon fast zum Kentern angefüllt ist. What struck me particularly in the last conversations with the Cardinal, now gone home, was the natural cheerfulness, the inner peace and the assurance he had found. We know that it was hard for him, the passionate shepherd and pastor of souls, to leave his office, and this precisely at a time when the Church had a pressing need for shepherds who would oppose the dictatorship of the zeitgeist, fully resolved to act and think from a faith standpoint. Yet I have been all the more impressed that in this last period of his life he learned to let go, and live increasingly from the conviction that the Lord does not leave his Church, even if at times the ship is almost filled to the point of shipwreck.
Zwei Dinge haben ihn in der letzten Zeit immer mehr froh und gewiss werden lassen.

·         Zum einen hat er mir immer wieder berichtet, wie es ihn mit tiefer Freude erfüllt, im Bußsakrament zu erleben, wie gerade junge Menschen, vor allem auch junge Männer, die Gnade der Vergebung erleben – das Geschenk, wirklich das Leben gefunden zu haben, das ihnen nur Gott geben kann.

·         Das andere, was ihn immer neu berührt und freudig gestimmt hat, war das leise Wachsen der eucharistischen Anbetung. Beim Weltjugendtag in Köln war ihm dies ein zentraler Punkt – dass es Anbetung gebe, eine Stille, in der nur der Herr zu den Herzen spricht. Manche Experten der Pastoral und der Liturgie waren der Meinung, dass sich eine solche Stille im Hinschauen auf den Herrn bei einer so riesigen Anzahl von Menschen nicht erreichen lasse. Einige waren wohl auch der Meinung, eucharistische Anbetung sei als solche überholt, da ja der Herr im eucharistischen Brot empfangen und nicht angeschaut werden wolle. Aber dass man dieses Brot nicht essen kann wie irgendwelche Nahrungsmittel und dass den Herrn im eucharistischen Sakrament zu „empfangen“ alle Dimensionen unserer Existenz einfordert – dass Empfangen Anbeten sein muss, ist inzwischen doch wieder sehr deutlich geworden. So ist die Weile der eucharistischen Anbetung beim Kölner Weltjugendtag zu einem inneren Ereignis geworden, das nicht nur dem Kardinal unvergesslich blieb. Dieser Augenblick war ihm seither immer inwendig gegenwärtig und ein großes Licht für ihn.

There were two things which in this final period allowed him to be increasingly happy and assured:

– The first was that he often related to me that what filled him with deep joy was to experience, in the Sacrament of Penance, how young people, above all young men, came to experience the mercy of forgiveness, the gift, in effect to have found life, which only God can give them.

– The second, which again and again touched and made him happy, was the perceptible increase in Eucharistic adoration. This was the central theme for him at World Youth Day in Cologne – that there was adoration, a silence, in which the Lord alone speaks to hearts. Some pastoral and liturgical authorities were of the opinion that such a silence in contemplation of the Lord with such a huge number of people could achieve nothing. A few were also of the opinion that Eucharistic adoration as such has been overtaken, because the Lord wanted to be received in the Eucharistic bread and not be looked at. Yet the fact that a person cannot eat this bread as just some sort of nourishment, and that to “receive” the Lord in the Eucharistic Sacrament includes all the dimensions of our existence – that receiving has to be worship, something which has in the meantime become increasingly clearer. So the period of Eucharistic adoration at the Cologne World Youth Day became an interior event that has remained unforgettable, and not only to the Cardinal. This moment for him was subsequently always present internally and a great light for him.

Als an seinem letzten Morgen Kardinal Meisner nicht zur Messe erschien, wurde er in seinem Zimmer tot aufgefunden. Das Brevier war seinen Händen entglitten: Er war betend gestorben, im Blick auf den Herrn, im Gespräch mit dem Herrn. Die Art des Sterbens, die ihm geschenkt wurde, zeigt noch einmal auf, wie er gelebt hat: Im Blick auf den Herrn und im Gespräch mit ihm. So dürfen wir seine Seele getrost der Güte Gottes anempfehlen. Herr, wir danken dir für das Zeugnis deines Dieners Joachim. Lass ihn nun Fürbitter für die Kirche von Köln und auf dem ganzen Erdenrund sein! Requiescat in pace!

(gez. Benedikt XVI.)

When on the last morning Cardinal Meissner did not appear for Mass, he was found dead in his room. The breviary had slipped from his hands: he died while praying, his face on the Lord, in conversation with the Lord. The art of dying, which was given to him, again demonstrated how he had lived: with his face towards the Lord and in conversation with him. So we may confidently entrust his soul to the goodness of God.

Lord, we thank you for the witness of this your servant, Joachim. Let him now intercede for the Church of Cologne and for the whole world.

Requiescat in pace!

Benedict XVI, Pope emeritus


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